Antonio Nocito nimmt bekannte Arztserien unter die Lupe

Check-Up!

Chefarzt Antonio Nocito nimmt Arztserien unter die Lupe - Folge 3

Eine neue Folge unserer Serie „Check-Up!“. Erneut unterzieht Chefarzt Antonio Nocito das medizinische Vorgehen in beliebten Arztserien einer kritischen Analyse und beurteilt die Glaubwürdigkeit des geschilderten Falls aus professioneller Sicht.






Der Fall: Dr. House – «Spielregeln des Gemeinwohls»

Eine ehemalige Ärztin wird mit einem Spontanpneumothorax ins Krankenhaus eingeliefert. Einige Wochen zuvor wurde bei ihr ein Uterusmyom entfernt. Nun füllt sich ihr Bauchraum plötzlich mit Blut – eine Leberblutung. Man vermutet zuerst Polyneuropathie oder ein Mesotheliom. Dann erleidet die Patientin jedoch einen Herzstillstand, verbunden mit Blutungen aus allen Körperöffnungen.

 

Die Diagnose: Extragenitale Endometriose

Endometriose ist eine hormonabhängige Krankheit bei der sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter ansiedeln. Sie verursacht Schmerzen, die jedoch häufig mit Menstruationsbeschwerden verwechselt werden. Endometriose tritt meist im unteren Bauch- und Beckenraum auf und betrifft üblicherweise Eileiter, Eierstöcke oder die Gebärmutteroberfläche. Die extragenitale Endometriose kann hingegen überall im Körper auftreten und ist die weitaus seltenste Form dieser Erkrankung. Die Ursachen einer Endometriose sind nicht abschliessend geklärt. Eine mögliche Erklärung besagt, dass lose Gebärmutterschleimhautzellen z.B. durch eine Operation über den Blutkreislauf verschleppt werden. Auf diese sogenannte Transplantationstheorie bezieht sich auch Dr. House bei seiner Diagnose.

Was Antonio Nocito von dieser Erklärung hält, erfahren Sie im Video:

 






Der Faktencheck:

So plausibel die Transplantationstheorie auf den ersten Blick scheinen mag, hat Dr. House`s Erklärung entscheidende Schwachpunkte. Unrealistisch scheint vor allem die Darstellung des chirurgischen Eingriffs, der die Ausbreitung der Zellen angeblich ausgelöst haben soll. Ein Uterusmyom wird heute nämlich nicht mehr mit einem Skalpell herausgesäbelt, sondern mit einem minimal-invasiven Eingriff schonend entfernt. Dadurch können Chirurgen extrem blutungsarm operieren, was eine Verschleppung der Zellen über den Blutkreislauf sehr unwahrscheinlich macht. Zudem würde deren Ausbreitung im gesamten Körper wohl einen längeren Zeitraum als einige Wochen in Anspruch nehmen.

 

Die Bewertung:

Diagnose: 2

Operationstechnik: 1

Blutrünstigkeit: 8

Anzahl Körperöffnungen: zählen Sie nach!

 

 

War dieser Artikel nützlich für Sie?
Ja Nein

Du hast diesen Artikel hochgestimmt.

Du hast diesen Artikel heruntergestuft.

Newsletter Anmeldung