Kaffeetasse

Kaffee nach der Darm-OP? Unbedingt!






Espresso, Cappuccino oder einfach schwarz? Simone Hasler-Gehrer, Oberärztin Chirurgie am Kantonsspital Baden, verschreibt ihren Patienten nach der Darm-Operation Kaffee.

 

Wer glaubt, dass man sich nach einer operativen Bauchspiegelung, einem sogenannten laparoskopischen Eingriff, mit Wasser und Tee begnügen muss, irrt. So schmeckt Kaffee den meisten Patienten nicht nur besser, er fördert nach neuesten Erkenntnissen sogar die Genesung! Dies ist das Ergebnis einer von Simone Hasler-Gehrer im Fachblatt «Diseases of Colon and Rectum» veröffentlichten randomisierten Studie an 115 Patienten.

 

Täglich 3 Tassen Kaffee auf Rezept

Die Studie belegt, dass bei Patienten, die nach der Darm-OP dreimal täglich Kaffee tranken, die Darmfunktion schneller wieder funktionierte. Auch konnten diese Patienten das Spital einen Tag früher verlassen als jene, die Kräuter- oder Früchtetee erhielten. «Nach der Operation ist der Darm quasi gelähmt und braucht lange, bis er wieder mit normalem Stuhlgang funktioniert», erläutert die Spezialärztin für Erkrankungen des Dick- und Enddarmes.

 

Oberärztin Simone Hasler-Gehrer gönnt sich einen Kaffee
Oberärztin Simone Hasler-Gehrer gönnt sich einen Kaffee

 

Kaffee schlägt Kaugummi

Diese tagelange Lähmung des Darmes kann auch zu Komplikationen nach der OP führen. Dazu gehören eine verzögerte Wundheilung, Lungenentzündungen, tiefe Venenthrombosen und natürlich eine längere Hospitalisationsdauer mit höheren Kosten. Um den raschen Stuhlgang nach einem Eingriff zu fördern, werden Patienten nach der OP schnell mobilisiert. Sie sollen also schon bald aus dem Bett aufstehen und sich bewegen. Teilweise wird der Stuhlgang auch medikamentös gefördert. Zudem wird regelmässiges Kaugummikauen als hilfreich erachtet. «Dies ist jedoch gerade für die meist betagten Menschen keine Alternative», so Hasler-Gehrer. Deshalb verordnet sie ihren Patienten nun Kaffee.

 

Kaffee als Wohlfühleffekt

Mit den entsprechenden Folgen: Im Schnitt 9 Stunden früher konnten die Kaffeetrinker in der Studie nach der OP das WC aufsuchen als die Teilnehmer der Kontrollgruppe. Mehr als 7 % der Kaffee trinkenden Patienten hatte sogar innerhalb der ersten 24 Stunden nach der OP Stuhlgang, hingegen war dies nur bei 1,7% der Tee trinkenden Studienteilnehmer der Fall. Die weiteren Vorteile liegen auf der Hand: Das Genussmittel ist kostengünstig und nebenwirkungsfrei. Nicht zu vergessen der psychologische Aspekt: «Es ist schön, dass die Patienten durch die Tasse Kaffee auch eine Art Wohlfühleffekt nach der Operation erleben.»

 

Ausgezeichnete Arbeit

Nicht nur ihre Patienten, auch die Jury am 44. Deutschen Koloproktologen-Kongress in München war von Simone Hasler-Gehrers Arbeit begeistert und zeichnete die Schweizer Oberärztin für die beste wissenschaftliche Arbeit aus. Welcher Stoff im Kaffee übrigens den Darm in Schwung bringt, ist bislang nicht bekannt. Am Koffein scheint es jedoch nicht alleine zu liegen: So erzeugte in einer ähnlichen Studie entkoffeinierter Kaffee einen ähnlichen Effekt.











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