symbolische darstellung des darmtrakts

Morbus Crohn: «Die Diagnose war eine Erleichterung»

Jahrelang leidet Hedwig Schaffner-Eugster an Durchfall. Sie war beinahe immer auf der Suche nach der nächsten Toilette. Nach der Diagnose Morbus Crohn und mit der entsprechenden Therapie lebt sie heute ohne Einschränkungen.






Bauchweh und Durchfall gehören jahrelang zu Hedwig Schaffner-Eugsters Alltag. «Bevor ich das Haus verliess, schluckte ich oft eine Tablette gegen Durchfall. Ich hatte immer Angst, nicht mehr rechtzeitig eine Toilette zu finden.» Das habe sie sehr belastet. «Irgendwann dachte ich mir: ‹Das ist doch nicht mehr normal.›» Das sieht auch ihr Hausarzt so. Er vermutet eine Nebenwirkung ihrer Cholesterin-Tabletten als Grund für ihr Leiden. Sie setzt das Medikament ab, aber die Beschwerden bleiben.






Operation bringt keine Besserung

Im Sommer 2018 fährt Schaffner-Eugster in die Ferien ins Südtirol. Aber Erholung findet sie nicht, im Gegenteil: «Ich konnte kaum noch etwas essen. Sobald der Teller leer war, rannte ich zur Toilette. Die Schmerzen im Unterbauch verschlimmerten sich von Tag zu Tag.» Zurück in der Schweiz, geht sie zum Hausarzt. Diagnose: Blinddarmentzündung. Sofort überweist er sie ins Spital.

Anderthalb Tage nach der Blinddarm-OP ist Hedwig Schaffner-Eugster wieder zu Hause. Die Bauchschmerzen haben zwar etwas nachgelassen, aber noch immer muss sie sofort nach dem Essen zur Toilette. Zusätzlich quält sie jetzt ein Ausschlag im Gesicht, im Mund und in der Nase. «Zunächst vermutete ich eine Nebenwirkung der Operation. Aber als es mir immer schlechter ging, fand ich das seltsam.» Es folgt ein weiterer Besuch beim Hausarzt. Dieses Mal vermutet dieser eine Infektion und verschreibt ein Antibiotikum. «Das nützte aber nichts. Ich konnte weder essen noch trinken. Der Ausschlag hatte im Mund Blasen gebildet, die wie Feuer brannten.» Innerhalb kurzer Zeit verliert Hedwig Schaffner-Eugster zehn Kilo Körpergewicht. «Ich war total geschwächt, konnte kaum noch das Haus verlassen.»






Morbus Crohn Patientin zuhause in ihrer Küche
Hedwig Schaffner-Eugster sagt heute: «Manchmal vergesse ich sogar, dass ich Morbus Crohn habe.»





Erleichterung nach der Diagnose

Einen Monat ist es her, dass Hedwig Schaffner-Eugster der Blinddarm entfernt wurde. Jetzt weiss auch der Hausarzt keinen Rat mehr und überweist sie ans KSB. Untersuchung folgt auf Untersuchung, insgesamt ist sie zwei Wochen im Spital. Bei einer Magen-Darm-Spiegelung erkennen die Ärzte lauter schwarze Flecken in ihrem Darm. Die Darmwände sind von der Entzündung zerfressen. «Ich dachte immer: ‹Bitte, bitte, keinen Krebs.› Als schliesslich die Diagnose Morbus Crohn feststand, war ich erleichtert.» Die Krankheit tritt häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 34 Jahren auf. Wohl auch deshalb vermutete man bei Hedwig Schaffner-Eugster zunächst andere Gründe für Durchfall und Bauchschmerzen.






Regelmässige Infusion hilft

Die sofort eingeleitete Therapie mit Kortison lindert die Beschwerden schnell. Nun braucht Hedwig Schaffner-Eugster alle zwei Monate eine Infusion mit entzündungshemmenden Medikamenten. Dafür geht sie jeweils ins Ambulatorium am KSB. Die Infusion tröpfelt während einer Stunde in ihr Blutsystem, anschliessend muss sie eine weitere Stunde zur Überwachung bleiben. Zudem werden jeweils Blut- und Vitaminwerte geprüft.

Eine weitere Therapie ist nicht nötig, Hedwig Schaffner-Eugster lebt ohne Einschränkungen – auch beim Essen. «Nur Nüsse vertrage ich nicht. Manchmal werde ich aber schwach und esse einige. Dann muss ich wieder wie früher zur Toilette rennen. Das ist es mir aber wert.» Es gehe ihr heute viel besser als vor der Diagnose. «Manchmal vergesse ich sogar, dass ich Morbus Crohn habe.»






Entzündliche Darmkrankheiten: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Durchfall, Bauchschmerzen, Kraftlosigkeit: Die Beschwerden sind bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sehr ähnlich. Beides sind chronisch entzündliche Darmkrankheiten, bei denen die Barrierefunktion der Darmwand gestört ist. Die Folge: Der Darm kann sich nicht mehr ausreichend gegen Eindringlinge wie Bakterien wehren. Der Körper reagiert mit Abwehr, die Entzündung gerät ausser Kontrolle. Unheilbar sind beide. Neben den Gemeinsamkeiten gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Morbus Crohn kann den gesamten Darm betreffen. Gesunde und entzündete Abschnitte wechseln sich ab, an den Entzündungsherden sind alle Schichten des Darms befallen. Bei Colitis ulcerosa hingegen ist nur die oberste Schicht des Dickdarms betroffen.

 






Sind Sie von einer Erkrankung des Magen-Darm-Trakts betroffen? Die Spezialisten der Gastroenterologie am KSB beraten Sie gerne zu möglichen Therapien.






War dieser Artikel nützlich für Sie?
Ja Nein

Du hast diesen Artikel hochgestimmt.

Du hast diesen Artikel heruntergestuft.

Newsletter Anmeldung